Bischof-Benno-Haus
Christsein hier und heute
17.-19.03.2017 | So war die Einladung zu einem...

Gemeinsame Kar- und Ostertage im Bischof-Benno-Haus
13.-17.04.2017 | Eine gewisse Tradition sind...

Seminar „Angst – Zwang – Burnout – Depression“
21.-23.04.2017 | Vom 21. bis 23. April 2017...

Heilsame Geschichten schreiben – eine...
05.-07.05.2017 | Das Bischof-Benno-Haus...
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Bildung zum Leben

Die Katholische Kirche zwischen Erzgebirge und Ostsee ist seit der Reformation eine Kirche in der Minderheit. Bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts gehörten mehr als 80% der Bürger in diesem Raum den evangelischen Kirchen an, 3 bis 5 % zur katholischen Kirche. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Zahl der Katholiken aufgrund der Vertreibung und Umsiedlung von Schlesiern, Sudetendeutschen und anderen sprunghaft  an.

Heute hat sich der Anteil der Katholiken in Sachsen wieder wie vor dem Zweiten Weltkrieg bei knapp 4% eingependelt; zu den evangelischen Kirchen zählt aber inzwischen nur noch rund ein Viertel der sächsischen Bevölkerung. Die große Mehrheit hierzulande gehört also keiner Kirche an, ist nicht getauft und hat keine christliche Sozialisation erfahren.

Die gesamtgesellschaftliche Umbruchs- und Herausforderungs- situation, in der wir heutzutage leben, ist u.a. gekennzeichnet durch stabilitätsgefährdende strukturelle Arbeitslosigkeit und ein Nichtanerkennen ökologischer Wachstumsgrenzen. Wir begegnen einer Vielzahl unterschiedlicher Verhaltensweisen und Lebensentwürfen. Die mit den vielfältigen Verunsicherungen einhergehende Notwendigkeit, sich immer wieder aufs neue entscheiden zu müssen und keine längerfristigen Perspektiven zu haben, wird vielfach als Überforderung erlebt. In unserem Raum tritt dazu verstärkend eine defizitäre „Kultur der Erinnerung" sowie eine weitgehende Unkenntnis über christliche Grundwerte und -optionen.

Welche Aufgaben ergeben sich angesichts des kurz skizzierten gesellschaftlichen Kontextes in Sachsen für ein Bildungshaus in Trägerschaft der katholischen Kirche, des Bistums Dresden-Meißen?

Neben der Begegnung von Gruppen aus dem Osten und Westen Deutschlands sowie Europas ist das Gespräch der Menschen aus Sachsen untereinander, von Christen und Nichtchristen, an erster Stelle zu nennen. Zunächst ist Entlastung angesagt und geboten. Dem Einzelnen soll die Möglichkeit gegeben werden, sich auszusprechen, zu „entlasten". Er soll erzählen können von dem, was ihn bedrückt und erfreut, berichten können, „wie es gewesen ist", ohne gleich „bewertet" und „verbessert" zu werden. Dazu wird eingeladen in Seminaren für Senioren oder Familien, bei Weiterbildungsveranstaltungen für Pädagogen oder andere Berufsgruppen.

Neben mehrtägigen Veranstaltungen finden im Bischof-Benno-Haus auch Tages- und Abendseminare zu allgemein interessierenden, aktuellen, aber auch religiösen Themen statt - wir wollen auch ein „Haus der Region" sein! Deshalb werden regelmäßig Werkstätten und Arbeitsgemeinschaften durchgeführt, zum Schmochtitzer Forum, zu Ausstellungen sowie kulturellen Angeboten im Rahmen der „Schmochtitzer Bühne" oder des Musikfestes Schmochtitz eingeladen.

Der zweite Schritt heißt „Informieren", über ein spezielles berufsbezogenes oder gesellschaftliches Thema, oder auch über Kirche und Christentum.  Informieren heißt aber nicht, fertige Antworten auf alle Fragen zu präsentieren, sondern Angebote als Suchende und Glaubende zu unterbreiten.

Deshalb steht unsere Bildungsarbeit unter dem Leitsatz „Bildung zum Leben". Zum Wesen der kirchlichen Bildungsarbeit unter diesem Leitwort zählt heute vor allem:
    • Einladung zu Gespräch, Dialog und Information - Sinn- und Wertorientierung auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes in wichtigen Lebensfragen, ganzheitliche Lebenshilfe;
    • Bekanntmachen mit Jesus Christus und seiner Frohbotschaft - die christliche Alternative auf der Suche nach gelungenem Leben ist nicht bevormundend oder anweisend, sondern zielt auf persönliche Entschiedenheit, notwendige Solidarität und größtmögliche Eigenverantwortung (Subsidiarität);
    • Aufbau von WIR-Gruppen und Netzwerken der Freundschaft - Vereinzelung und Vereinsamung sind u.a. eine Folge der sinkenden Bedeutung von Familie und Großfamilie für den Einzelnen;
    • Befähigung und Ermutigung zur Mitarbeit am bonum commune (in Familie, Staat und Kirche) - „Ihr seid das Salz der Erde ...";
    • Verständnis für Nachhaltigkeit und Maßhaltung im Umgang mit der Schöpfung - spätere Generationen sollen auch eine Chance haben, auf unserer Erde in Würde zu leben;
    • Bereitschaft zur conpassio - praktizierte soziale Gerechtigkeit in Liebe, Frieden und Freiheit;
    • Einladung zu Stille und Besinnung - als Entgegnung auf die Flut von Eindrücken und Informationen die Entwicklung einer Kultur der Langsamkeit und Maßhaltung;
    • Schaffung von Räumen für Visionen - Zukunftswerkstätten können der individuellen Aktivierung dienlich sein;
    • Pflege des kulturellen Erbes - erst die kritische Auseinandersetzung und Beschäftigung mit der Tradition und der Geschichte ermöglichen eine innovative Weiterentwicklung der Gesellschaft.
Bildungsarbeit in Trägerschaft der Kirche am Beginn des 21. Jahrhunderts und dritten Jahrtausends muß zunächst offen einladen zum Gespräch, zum Dialog zwischen Christen und Andersglaubenden und -denkenden, zur Information über das, was uns bewegt, zum Austausch von Lebenserfahrungen, von Freud und Leid. Dann wird der Einzelne in die Lage versetzt, neue Ufer zu erahnen, seinen Horizont zu erweitern, das Wagnis neuen Denkens einzugehen und somit sein Leben neu auszurichten, sich neu zu orientieren. Dieser dritte Schritt bedarf der persönlichen Entscheidung und Entschiedenheit sowie begleitender Kommunikation und Solidarität.

Entlasten, informieren, neu orientieren - kirchliche Bildungsarbeit heute kann  sensibilisieren für die großen Fragen des Menschseins sowie die aktuellen Fragen der Zeit. Und: sie hat ein Angebot, eine Frohbotschaft zu unterbreiten, die das Leben lebenswert machen kann.